Stolpersteine


Juden, Sinti, Roma, Zeugen Jehovas, Homosexuellen, Behinderten und politisch Andersdenkenden soll mit Stolpersteinen ein Denkmal gesetzt werden, damit sie nicht in Vergessenheit geraten. 

Ein Stolperstein ist 10 mal 10 cm groß und besteht aus einem Estrichbetonstein mit einer Messingplatte darauf, auf welcher mit Hilfe von Schlagbuchstaben aus Stahl die wichtigsten Daten des Opfers vermerkt werden: der Name, der Geburtsjahrgang und sein weiteres Schicksal. Manchmal steht da nur ein Name oder das Wort ’’Deportation’’, vielleicht auch, dass sie verschollen ist, weil mehr dann einfach nicht zu erfahren war. In besonders schlimmen Fällen werden außer dem Namen einfach nur drei Fragezeichen in das Blech geschlagen, dass sie dann umgebracht wurden, davon kann man ausgehen.

Der Stein wird an den letzten Wohnort des Opfers verlegt. Es soll kein Grabstein, sondern ein Gedenkstein sein, der durch das ständige Betreten hell und gut sichtbar bleibt. Oft werden sie so blank oder laufen an. Jedenfalls bleiben sie dort, wo sie sind, fest verankert.

 

 

Organisationen und Abläufe

In 190 Ortschaften Deutschlands liegen derzeit 9.000 Stolpersteine, darunter 1.400 in Berlin. Sogar in Paris, Budapest und Mailand wurden bereits Steine verlegt, weitere Kontakte nach Wien, Antwerpen und Amsterdam sind geknüpft. 

Viele Städte besitzen bereits eigene Initiativgruppen für Stolpersteine, sie knüpfen den Kontakt zum Künstler und regeln alle Amtsgänge, oft erleichtern sie einem auch die Recherchenarbeit in den Archiven. Durch solche Organisationen ist es jedem Bürger möglich einen Stolperstein anfertigen zu lassen. Sei es aus persönlichen, wie der Familienangehörigkeit zu Opfern, oder aus bloßem Interesse für das Projekt. Auch viele Schulklassen und Jugendliche interessieren sich für dieses Projekt und machen die Verlegung der Stolpersteine durch ihre Arbeit möglich. Ein Stein kostet dabei 95 Euro und beinhaltet die Anfertigung und die Verlegung. 


Geschichte der Stolpersteine

Hinter der Idee der Stolpersteine steht der Kölner Bildhauer und Maler Gunter Demnig, welcher sich seit 1980 Projekten widmet, die sich mit dem Holocaust befassen, wodurch auch die Idee zu den Stolpersteinen entstand. 

Im Jahr 1994 stellte Gunter Demnig 250 Stolpersteine in der Antoniter-Kirche in Köln aus, ein Geschenk von ihm an die Stadt Köln. Der Pfarrer Kurt Pick machte ihm Mut und so wurden 1995 die ersten Stolpersteine in Köln verlegt. Im Rahmen des Kunstprojektes ’’Künstler forschen nach Auschwitz’’ werden im Jahr darauf weitere 55 Stolpersteine in Berlin-Kreuzberg verlegt, durch welche Gunter Demnig seinen großen Durchbruch schafft. Jedoch hat Demnig die Steine bis dahin nur illegal verlegt, denn der Staat war von seiner Idee nur teilweise begeistert. Viele absurde Anschuldigungen oder Vergleiche machten es dem Künstler schwer. 3 Jahre hat es gedauert, bis alle Ämter beruhigt waren und Gunter Demnig legal verlegen durfte. Auch heute noch hat er viele Gegner, seien es Hausbesitzer, die den Wert ihrer Immobilie durch einen solchen Stein vermindert sehen, oder Politiker, die diesen Steinen eine große Rutschgefahr, insbesondere bei Regenwetter, nachsagen. München und Leipzig zum Beispiel sprechen sich bis heute gegen eine Verlegung dieser Steine aus.


Gunter Demnig

Gunter Demnig wollte mit den Stolpersteinen ein Symbol schaffen, dass die Opfer des Nazi-Regimes in Deutschland wieder in das alltägliche Leben zurückholt. Ein Symbol, das nicht überwältigend, jedoch auch nicht übersehbar ist. 

Gunter Demnig ist 1947 in Berlin geboren, wo er auch einen Großteil seiner Kindheit und Jugend verbrachte. 1967, nach bestandenem Abitur, beginnt er mit dem Studium der Kunstpädagogik an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin, darauf folgt ein Jahr Industrial-Design-Studium. Ab 1971 studiert er wieder Kunstpädagogik in Kassel, wo er auch sein erstes Staatsexamen ablegt. Dem folgten nochmals 3 Jahre Kunststudium. 1977 arbeitet er bereits an vielen Projekten, ist in der Planung, Bauleitung und Ausführung von Denkmalsanierungen beteiligt. 

Er arbeitet 8 Jahre als künstlerisch-wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Kunst an der Universität Kassel, ehe er nach Köln zieht und dort sein eigenes Atelier eröffnet. 

Er realisierte viele Projekte gegen das Vergessen des Holocaust. So verlegte er beispielsweise Spuren aus Bändern oder mit Farbe, um die Erinnerung an historische Ereignisse zurückzuholen, wie zum Beispiel den Ariadne-Faden von Kassel nach Venedig, der ihm einen Eintrag ins „Guinness-Buch der Rekorde“ verschaffte. In Köln zog er unter dem Titel ’’Kreidespur’’ eine Spur mit weißer Farbe von einem ehemaligen Sammelplatz zur Dolzer Messe, welche damals ein Außenlager von Buchenwald war und von wo die Transporte abgingen. Jedoch war diese Farbspur mit der Zeit weggewaschen und so verlegte er an 21 Stellen der ’’Kreidespur’’ Schriftzüge aus Messing, damit dieser Weg weiterhin zu verfolgen war. Bei dieser Arbeit kam ihm die Idee zu den Stolpersteinen, welche er lange schwarz verlegte, bis seine Arbeit im Jahr 2000 endlich offiziell anerkannt und legalisiert wurde. Für seine Stolpersteine erhielt er auch schon diverse Preise und vor allem viel Anerkennung.

 

Marie-Annika